
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Neurologie und Neurochirurgie
Tiefe Hirnstimulation (THS) wird an 26 Krankenhäusern in 10 Städten im Voumed-Netzwerk angeboten.
26 Krankenhäuser bieten diese Behandlung in 5 Ländern über das Voumed-Netzwerk an; 16 davon sind JCI-akkreditiert.
Die tiefe Hirnstimulation (THS), oft auch als Hirnschrittmacher bezeichnet, ist ein implantiertes System, das schwache elektrische Impulse an genau definierte Punkte in der Tiefe des Gehirns sendet, um die fehlerhafte Aktivität bei Bewegungsstörungen wie Morbus Parkinson, essenziellem Tremor und Dystonie zu dämpfen. Für Menschen, deren Zittern, Steifigkeit oder Verlangsamung durch Medikamente allein nicht mehr beherrscht werden kann, kann sie Stabilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität zurückgeben. Anders als frühere Eingriffe zerstört sie kein Hirngewebe und lässt sich jederzeit anpassen oder ausschalten. Der Nutzen kann beachtlich sein: Ein jahrelang bestehendes Zittern kann sich bereits kurze Zeit nach dem Einschalten des Systems spürbar bessern. Viele Patientinnen und Patienten reisen für eine tiefe Hirnstimulation ins Ausland, um erfahrene Teams der funktionellen Neurochirurgie, eine präzise stereotaktische Planung und die sorgfältige Programmierung zu nutzen, auf die es bei dieser Behandlung ankommt, häufig verbunden mit kürzeren Wartezeiten als im Heimatland.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei der Tiefen Hirnstimulation werden feine Elektroden in bewegungsrelevante, tiefe Hirnstrukturen implantiert und unter der Haut mit einem kleinen Impulsgeber nahe dem Schlüsselbein verbunden.
- Sie kommt bei fortgeschrittenem Morbus Parkinson, medikamentös nicht mehr einstellbarem essenziellem Tremor und verschiedenen Formen der Dystonie infrage, sofern die Betroffenen noch auf Medikamente ansprechen und keine fortgeschrittenen Gedächtnisstörungen vorliegen.
- Die Elektroden werden anhand hochauflösender Bildgebung präzise platziert, meist bei wachen Patientinnen und Patienten unter örtlicher Betäubung zur direkten Wirkungskontrolle, während der Impulsgeber unter Vollnarkose eingesetzt wird.
- Der Klinikaufenthalt dauert üblicherweise zwei bis vier Tage; ein Aufenthalt von ein bis zwei Wochen am Zielort ermöglicht die Wundheilung und die erste Programmierungsphase vor dem Rückflug.
- Das Implantat stoppt das Fortschreiten der Grunderkrankung nicht, und stimulationsbedingte Begleiterscheinungen wie Kribbeln oder Veränderungen beim Sprechen und beim Gleichgewicht lassen sich meist durch eine Umprogrammierung und nicht durch eine erneute Operation beheben.
Auf dieser Seite
Auf einen Blick
- Narkose
- meist im Wachzustand unter örtlicher Betäubung für die Elektrodenplatzierung; Vollnarkose für die Batterie
- Klinikaufenthalt
- üblicherweise 2 bis 4 Tage, teils in zwei zeitlich nah beieinanderliegenden Schritten
- Dauer des Eingriffs
- etwa 3 bis 5 Stunden, abhängig von den Zielgebieten und dem gewählten Verfahren
- Genesung
- leichte Aktivitäten nach wenigen Tagen; Einschalten und Feinabstimmung des Systems in den folgenden Wochen
- Rückreise per Flugzeug
- meist nach 1 bis 2 Wochen, sobald die Wunde verheilt ist und die Ersteinstellung erfolgte
- Sichtbare Ergebnisse
- deutliche Symptomlinderung im Zuge der schrittweisen Anpassung der Stimulation über die ersten Wochen bis Monate
Was das Verfahren ist
Die tiefe Hirnstimulation ist eine Behandlungsmethode, bei der feine Elektroden mit hoher Präzision in bestimmte tiefe Hirnstrukturen eingesetzt und über unter der Haut verlaufende Kabel mit einem kleinen, batteriebetriebenen Stimulator nahe dem Schlüsselbein verbunden werden, ähnlich einem Herzschrittmacher. Der Stimulator gibt kontinuierlich sorgfältig dosierte elektrische Impulse ab, welche die fehlerhaften Signale dämpfen, die für Zittern, Muskelsteifigkeit, Verlangsamung oder Fehlhaltungen verantwortlich sind. Das Verfahren heilt die Grunderkrankung nicht, kann jedoch durch die Harmonisierung der motorischen Regelkreise des Gehirns die Beschwerden sowie den Bedarf an hohen Medikamentendosen deutlich verringern. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der vollständigen Einstellbarkeit: Stärke und Muster der Stimulation lassen sich bei Veränderungen des Krankheitsverlaufs individuell nachjustieren, und das gesamte System kann bei Bedarf jederzeit ausgeschaltet oder wieder entfernt werden. Dadurch entsteht eine flexible, umkehrbare Behandlung, die auf die einzelnen Patientinnen und Patienten zugeschnitten ist.
Wann das Verfahren empfohlen wird
Die tiefe Hirnstimulation wird in Betracht gezogen, wenn eine Bewegungsstörung medikamentös nicht mehr ausreichend kontrolliert werden kann oder wenn Medikamente zwar wirken, aber belastende Nebenwirkungen wie unwillkürliche Bewegungen oder unvorhersehbare Schwankungen zwischen guten und schlechten Phasen hervorrufen. Am besten etabliert ist das Verfahren bei fortgeschrittenem Morbus Parkinson, bei medikamentös nicht beherrschbarem essenziellem Tremor sowie bei mehreren Formen der Dystonie, bei denen es Zittern, Steifigkeit und abnorme Muskelanspannungen lindern kann. Zudem wird es in ausgewählten Fällen von therapieresistenter Epilepsie und bestimmten schweren Zwangsstörungen eingesetzt, während die Forschung zu weiteren Anwendungsbereichen fortläuft. Die Methode eignet sich nicht für jeden: Geeignete Personen werden nach einer eingehenden Untersuchung sorgfältig ausgewählt, da die Behandlung am besten bei denjenigen wirkt, deren Symptome zumindest teilweise noch auf Medikamente ansprechen und bei denen keine fortgeschrittenen Gedächtnisstörungen vorliegen. Das Ziel ist stets eine spürbare und dauerhafte Verbesserung der Alltagsfunktionen.
Ablauf des Eingriffs
Die Planung beginnt mit hochauflösenden Aufnahmen des Gehirns, anhand derer ein Computer die genauen Zielpunkte oft auf den Millimeter genau berechnet. Die Platzierung der Elektroden erfolgt meist im Wachzustand bei lokaler Betäubung, da das Hirngewebe selbst schmerzunempfindlich ist und der wache Zustand es dem Behandlungsteam erlaubt, die Stimulation direkt zu testen und zu prüfen, ob die Symptome ohne unerwünschte Wirkungen nachlassen, bevor die Elektroden fixiert werden. Ein stereotaktischer Präzisionsrahmen oder eine rahmenlose Navigation sichert den exakten Zugangsweg; in einigen Zentren wird der Eingriff auch unter Vollnarkose mit bildgebender Lagekontrolle durchgeführt. Sobald die Elektroden korrekt platziert sind, werden die Verbindungskabel in einem zweiten, kürzeren Schritt unter Vollnarkose unter der Haut verlegt und der Stimulator nahe dem Schlüsselbein oder im Brustbereich eingesetzt. Der Eingriff erfolgt häufig zweizeitig, wobei der Stimulator entweder in derselben Sitzung oder kurz darauf implantiert wird. Die gesamte Operation dauert üblicherweise etwa 3 bis 5 Stunden. Das System wird im Allgemeinen etwas später aktiviert, sobald frühe Schwellungen abgeklungen sind, und anschließend über mehrere Termine hinweg programmiert.
Voraussetzungen und Vorbereitung
Für den Eingriff kommen Personen mit einer gesicherten Bewegungsstörung infrage, deren Beschwerden zumindest teilweise noch auf Medikamente ansprechen, sich aber nicht mehr zufriedenstellend kontrollieren lassen, und deren allgemeiner Gesundheitszustand eine Operation zulässt. Eine sorgfältige Auswahl ist unerlässlich: Vor dem Eingriff durchlaufen Patientinnen und Patienten eine ausführliche neurologische Untersuchung, spezielle bildgebende Verfahren, einen Test zur Überprüfung des medikamentösen Ansprechens sowie eine kognitive und psychologische Begutachtung, da die Behandlung nur bei Aussicht auf einen klaren Nutzen durchgeführt wird. Die Prüfung der Gedächtnisleistung ist wichtig, da ausgeprägte Gedächtnisprobleme gegen den Eingriff sprechen können. Zur Vorbereitung gehören zudem Routine-Blutuntersuchungen, kardiologische Kontrollen und eine Überprüfung der Dauermedikation, wobei blutverdünnende Mittel nach ärztlicher Rücksprache vorab angepasst werden. Für internationale Patientinnen und Patienten kann ein großer Teil dieser Voruntersuchungen vorab aus der Ferne erfolgen: Aktuelle Aufnahmen, Medikamentenpläne und Krankheitsverläufe werden vor der Reise geprüft, sodass die Diagnostik vor Ort zügig abgeschlossen und die Operation effizient geplant werden kann.
Genesung und Planung der Behandlung im Ausland
Nach der Operation bleiben die meisten Patientinnen und Patienten für etwa 2 bis 4 Tage im Krankenhaus, während die Wunden in den folgenden ein bis zwei Wochen abheilen. Die Stimulation wird meist nicht sofort eingeschaltet; erst nach dem Abklingen früher Gewebeschwellungen wird das System aktiviert und präzise programmiert, wobei die Einstellungen über mehrere Termine hinweg und in den folgenden Wochen und Monaten schrittweise verfeinert werden, um die optimale Balance zwischen Wirkung und Wohlbefinden zu finden. Bei einer Behandlung im Ausland empfiehlt es sich, etwa 1 bis 2 Wochen am Zielort einzuplanen, damit die Wundheilung, die Aktivierung des Systems und die erste Programmierungsphase vor dem Rückflug abgeschlossen werden können. Eine Flugreise ist im Allgemeinen sicher, sobald das ärztliche Team eine unauffällige Wundheilung bestätigt hat; für die Sicherheitskontrollen am Flughafen wird ein Ausweis für das implantierte Gerät ausgestellt. Weitere Feinabstimmungen können häufig heimatnah bei einer Fachkraft oder telemedizinisch erfolgen, und die Batterie wird regelmäßig kontrolliert und nach einigen Jahren in einem kurzen Eingriff gewechselt. Internationale Patiententeams stellen Dolmetschende und Koordinationshilfen bereit, damit keine Sprachbarrieren entstehen.
Risiken, Sicherheit und Ergebnisse
In erfahrenen Händen und in einer entsprechend ausgestatteten Klinik ist die tiefe Hirnstimulation ein etablierter und verhältnismäßig sicherer Eingriff; da kein Hirngewebe zerstört wird, ist das Verfahren umkehrbar und anpassbar. Wie jede Hirnoperation birgt auch sie gewisse Risiken, einschließlich einer geringen Wahrscheinlichkeit für Blutungen oder Infektionen, und gelegentlich kann eine Anpassung oder in seltenen Fällen ein Nachkorrigieren der implantierten Komponenten erforderlich sein. Stimulationsbedingte Begleiterscheinungen wie Kribbeln, Sprach-, Stimmungs- oder Gleichgewichtsveränderungen sind meist mild und lassen sich häufig über eine Veränderung der Geräteeinstellungen beheben, was zu den wesentlichen Vorteilen eines anpassbaren Systems gehört. Der Erfolg zeigt sich in der Verbesserung des Alltags: Bei sorgfältig ausgewählten Personen gehen Zittern, Steifigkeit und Verlangsamung deutlich zurück, viele können ihre Medikamentendosis reduzieren und ihre Selbstständigkeit zurückgewinnen. Die Grunderkrankung schreitet zwar weiter fort, doch ermöglicht die Behandlung oft viele Jahre mit höherer Funktion und besserer Lebensqualität. Bei gewissenhafter Indikationsstellung, präziser Platzierung und sorgfältiger Programmierung erfahren die meisten Behandelten eine deutliche und dauerhafte Besserung.
Häufig gestellte Fragen
Diese Antworten sind allgemeine Hinweise und können je nach Anbieter abweichen. Klären Sie die Einzelheiten mit dem Krankenhaus Ihrer Wahl.
Ist die tiefe Hirnstimulation eine Heilung?
Nein. Die tiefe Hirnstimulation führt nicht zur Heilung und stoppt das Fortschreiten der Grunderkrankung nicht, sie kann jedoch Symptome wie Zittern, Steifigkeit und Verlangsamung erheblich lindern und die Lebensqualität verbessern. Da das System anpassbar und reversibel ist, kann die Stimulation im Zeitverlauf feinjustiert und bei Bedarf jederzeit abgeschaltet oder entfernt werden.
Bin ich während der Operation bei Bewusstsein?
Für das Einsetzen der Elektroden sind Sie in der Regel bei Bewusstsein, aber durch eine örtliche Betäubung schmerzfrei, damit das Behandlungsteam die Stimulation testen und die Wirkung auf Ihre Symptome überprüfen kann, bevor die Elektroden fixiert werden. Da das Gehirngewebe keine Schmerzrezeptoren besitzt, ist dies nicht schmerzhaft. Das Einsetzen der Batterie nahe dem Schlüsselbein erfolgt anschließend unter Vollnarkose.
Wie viele Tage sollte ich für den Auslandsaufenthalt einplanen?
Planen Sie etwa 1 bis 2 Wochen am Zielort ein. Dies reicht für den Eingriff, einen Klinikaufenthalt von rund 2 bis 4 Tagen, die Wundheilung, die Aktivierung des Systems nach dem Abklingen der ersten Schwellung sowie eine erste Programmierungsphase vor der Rückreise.
Wann ist mit einer spürbaren Besserung zu rechnen?
Erste Effekte, insbesondere beim Zittern, können sich bereits kurz nach dem Einschalten des Systems zeigen, die volle Wirkung baut sich jedoch schrittweise auf, während die Einstellungen in den ersten Wochen bis Monaten optimiert werden. Die Programmierung ist ein Prozess, und meist sind mehrere Anpassungen erforderlich, um das für Sie beste Ergebnis zu erzielen.
Wann kann ich nach dem Eingriff nach Hause fliegen?
Die meisten Patientinnen und Patienten können nach Hause fliegen, sobald die Wunden verheilt sind und die Ersteinstellung erfolgt ist, üblicherweise etwa 1 bis 2 Wochen nach der Operation. Das Klinikpersonal stellt Ihnen einen Ausweis für Ihr Implantat aus, den Sie an den Sicherheitskontrollen am Flughafen vorzeigen können, wo Sie um eine manuelle Kontrolle anstelle bestimmter Körperscanner bitten sollten.
Wie wird das Gerät eingestellt und gewartet?
Die Einstellungen werden von einer spezialisierten Fachkraft programmiert und oft über mehrere Termine hinweg feinabgestimmt, sodass sie an Ihre Bedürfnisse angepasst werden können. Nachkontrollen lassen sich häufig heimatnah oder telemedizinisch durchführen. Die Batterie wird regelmäßig überprüft und nach einigen Jahren in einem kurzen, einfacheren Eingriff ausgetauscht.
Für wen ist die tiefe Hirnstimulation nicht geeignet?
Das Verfahren ist nicht für jeden die passende Option. Personen, deren Symptome überhaupt nicht mehr auf Medikamente ansprechen, sowie Menschen mit fortgeschrittenen Gedächtnisproblemen oder bestimmten Begleiterkrankungen profitieren möglicherweise nicht davon. Aus diesem Grund geht stets eine gründliche Diagnostik einschließlich Bildgebung und kognitiven Tests voraus, damit die Behandlung nur Personen angeboten wird, bei denen ein klarer Nutzen zu erwarten ist.
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