Osseointegration für Amputierte

Orthopädie und Unfallchirurgie

Osseointegration für Amputierte wird an 1 Krankenhaus in 1 Stadt im Voumed-Netzwerk angeboten.

1 Krankenhaus bietet diese Behandlung in 1 Land über das Voumed-Netzwerk an; 1 davon ist JCI-akkreditiert.

So verifiziert Voumed die Leistungsdaten der Krankenhäuser

Die Osseointegration für Amputierte ermöglicht die Befestigung einer Prothese direkt am Skelett, anstatt sie über einen Schaft zu halten. Dabei wird ein Metallimplantat in den verbleibenden Knochen eingesetzt, wo Knochensubstanz an dessen Oberfläche anwächst und es fest verankert. Ein kurzes Verbindungsstück ragt durch die Haut, sodass die äußere Prothese direkt daran angekoppelt werden kann. Für Betroffene, bei denen ein Prothesenschaft Schmerzen, Hautschäden, Schwitzen oder wiederholtes Lockern verursacht, entfällt das Schaftproblem dadurch vollständig. Zudem wird über den Knochen wieder eine Wahrnehmung des Bodens vermittelt, was viele Anwenderinnen und Anwender als erneutes Gefühl der Verbundenheit mit der Gliedmaße beschreiben. Die Behandlung ist ein mehrstufiges Programm aus operativen Eingriffen und strukturierter Rehabilitation und keine einzelne Operation.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Osseointegration verankert die Prothese an einem Metallimplantat im Knochen, sodass kein Schaft auf das Weichgewebe des Stumpfes drückt.
  • Sie wird Amputierten angeboten, die keinen Schaft tolerieren, einen kurzen oder stark vernarbten Stumpf haben oder deren Funktion durch wiederholte Hautschäden und Prothesenlockerungen beeinträchtigt ist.
  • Das Implantat wird unter Vollnarkose in ein oder zwei Schritten eingesetzt, und der Knochen wächst über etwa 6 bis 12 Wochen an die Oberfläche an, bevor die Belastung beginnt.
  • Die Belastung wird unter Anleitung schrittweise gesteigert, und die meisten Patientinnen und Patienten gelangen innerhalb von etwa 3 bis 6 Monaten vom ersten Stehen zum Gehen mit der definitiven Prothese.
  • Das Verbindungsstück verläuft dauerhaft durch die Haut, weshalb die tägliche Reinigung eine lebenslange Routine darstellt und oberflächliche Infektionen an dieser Stelle die häufigste Komplikation sind.
Auf dieser Seite

Auf einen Blick

Narkose
Vollnarkose, oft kombiniert mit einer Regionalanästhesie
Krankenhausaufenthalt
meist etwa 3 bis 7 Tage pro Operationsschritt
Operationsdauer
etwa 2 bis 3 Stunden pro Schritt
Erholungszeit
stufenweiser Belastungsaufbau ab etwa 4 bis 6 Wochen; Gehen mit der definitiven Prothese nach etwa 3 bis 6 Monaten
Zeit bis zum Rückflug
meist etwa 3 bis 6 Wochen, einschließlich der Wundkontrolle und des Beginns des Belastungsprogramms
Ergebnis
Sitzkomfort und Entlastung der Haut treten sofort ein; die Gehfunktion baut sich über 3 bis 6 Monate auf

Aufbau und Funktionsweise

Eine osseointegrierte Prothese besteht aus drei Teilen. Im Knochen sitzt ein Titanimplantat mit einer Oberfläche, in die der Knochen einwächst, nach demselben Prinzip wie bei Zahnimplantaten. Durch die Haut am Ende des Stumpfes ragt ein kurzes Verbindungsstück, das sogenannte Abutment, an dem die äußere Prothese mit einer Sicherheitskupplung befestigt wird. Diese löst sich bei übermäßiger Krafteinwirkung, um den Knochen zu schützen. Da die Last von der Prothese über das Verbindungsstück direkt in das Skelett geleitet wird, trägt das Weichgewebe kein Gewicht mehr. Patientinnen und Patienten gewinnen in der Regel mehr Bewegungsfreiheit in Hüfte oder Knie, können sitzen, ohne dass ein Schaftrand in die Leiste drückt, und berichten von einer Osseoperzeption, also der Wahrnehmung von Bodenbeschaffenheit und Vibrationen über den Knochen.

Wann das Verfahren empfohlen wird

Die Osseointegration kommt vor allem für Amputierte infrage, die Schaftprothesen erprobt haben und diese nicht beschwerdefrei nutzen können. Typische Gründe sind anhaltende Schmerzen an der Schaftkontaktfläche, wiederkehrende Hautschäden, Geschwüre oder Infektionen, übermäßiges Schwitzen, ein zu kurzer oder zu stark vernarbter Stumpf für den Schafthalt, ausgeprägte Volumenschwankungen mit unzuverlässigem Sitz sowie eine starke Bewegungseinschränkung von Hüfte oder Knie. Am etabliertesten ist das Verfahren bei Oberschenkelamputationen, es wird jedoch auch am Unterschenkel und seltener am Arm angewendet. In der Regel wird es nicht angeboten, wenn die Knochenqualität unzureichend ist, die Durchblutung der Gliedmaße gestört ist, eine aktive Infektion vorliegt oder die betroffene Person die tägliche Pflege der Hautaustrittsstelle sowie ein strukturiertes Rehabilitationsprogramm nicht verlässlich umsetzen kann.

Wie der Eingriff durchgeführt wird

Für die Planung werden Röntgenaufnahmen und eine Computertomographie (CT) genutzt, um den Knochen auszumessen und die passende Implantatgröße auszuwählen. Der Eingriff kann einzeitig oder zweizeitig erfolgen. Beim zweizeitigen Vorgehen wird in der ersten Operation das Ende des Stumpfes eröffnet, die Markhöhle vorbereitet und das Implantat eingesetzt, das anschließend für etwa 6 bis 12 Wochen bedeckt einheilt, während Knochen anwächst. In einer zweiten, kürzeren Operation wird das Verbindungsstück durch eine kleine, präzise geformte Hautöffnung nach außen geführt und das umliegende Weichgewebe so ausgedünnt, dass die Haut stabil und fest am Verbindungsstück anliegt, anstatt sich darüber zu verschieben. Nervenendigungen, die Phantomschmerzen oder Stumpfbeschwerden verursachen, können zeitgleich mittels gezielter Muskelreinnervation oder Nervenschnittstellentechniken behandelt werden. Beim einzeitigen Verfahren werden beide Schritte kombiniert. Eine Belastung erfolgt erst mit dem Beginn des Belastungsprogramms.

Eignung und Vorbereitung

Die Eignung wird gemeinsam von einem chirurgischen und rehabilitativen Team beurteilt. Dies umfasst bildgebende Untersuchungen zur Knochenqualität und Knochenlänge, eine Gefäßuntersuchung, ein Screening auf Infektionen und die Blutzuckereinstellung bei Diabetes, die Überprüfung des Rauchstatus sowie eine Analyse des aktuellen Gangbilds und der angestrebten Ziele. Bei entsprechenden Hinweisen wird die Knochendichte gemessen, da die Last später über das Skelett übertragen werden muss. Die Erwartungen werden offen besprochen, einschließlich der dauerhaften Hautöffnung und der lebenslangen Hygieneroutine. Eine Prähabilitation zur Kräftigung von Hüfte und Rumpf beginnt üblicherweise vor der Operation. Bei internationalen Patientinnen und Patienten können Bildgebung, Prothesenanamnese und Rehabilitationsberichte vorab digital geprüft werden, und die beiden Operationsschritte sowie das Belastungsprogramm werden vor der Anreise gemeinsam geplant.

Genesung und Planung der Behandlung im Ausland

Die Belastungssteigerung bildet den Kern der Genesung. Einige Wochen nach dem Freilegen des Verbindungsstücks beginnt das Stehen auf einer kurzen Übungsprothese mit definiertem Teilgewicht, das über mehrere Wochen schrittweise gesteigert wird, während sich der Knochen anpasst. Die definitive Prothese wird angepasst, sobald das volle Körpergewicht toleriert wird; ein anschließendes Gangtraining baut Gangbild, Gleichgewicht und Ausdauer wieder auf. Die meisten Menschen gehen nach 3 bis 6 Monaten mit ihrer definitiven Prothese. Die tägliche Pflege der Hautaustrittsstelle mit Wasser und Seife sowie das anschließende Trockenhalten beginnen bereits im Krankenhaus und werden lebenslang fortgeführt. Eine Behandlung im Ausland wird meist als Aufenthalt von etwa 3 bis 6 Wochen rund um die Operationsschritte geplant, wobei das schrittweise Belastungsprogramm anhand eines schriftlichen Protokolls zu Hause fortgeführt und aus der Ferne kontrolliert wird, oder als zwei getrennte Aufenthalte mit einer dazwischenliegenden Einheilphase des Knochens.

Risiken, Sicherheit und Ergebnisse

Die häufigste Komplikation ist eine oberflächliche Infektion oder Reizung an der Durchtrittsstelle des Verbindungsstücks durch die Haut. Diese wird meist mit lokaler Wundpflege und einer kurzen Antibiotikatherapie behandelt und gefährdet das Implantat nur selten. Tiefere Knocheninfektionen sind selten, aber schwerwiegend und können die Entfernung des Implantats erforderlich machen. Zu den weiteren bekannten Risiken gehören eine Lockerung oder ein Versagen des Implantats, Knochenbrüche um das Implantat herum, ein Bruch des Verbindungsstücks oder der Sicherheitskupplung nach einem Sturz, Weichteilüberschüsse mit Revisionsbedarf sowie anhaltende Phantomschmerzen. Da das Implantat die Last direkt auf das Skelett überträgt, sind Aktivitäten mit hoher Stoßbelastung wie Laufen und Springen in der Regel eingeschränkt. Veröffentlichte Studien und Langzeitbeobachtungen berichten über erhebliche Verbesserungen bei der täglichen Prothesennutzung, der Gehstrecke, dem Sitzkomfort und der Lebensqualität bei Personen, die keine Schaftprothese tolerieren konnten, wobei die meisten Implantate dauerhaft erhalten bleiben.

Häufig gestellte Fragen

Diese Antworten sind allgemeine Hinweise und können je nach Anbieter abweichen. Klären Sie die Einzelheiten mit dem Krankenhaus Ihrer Wahl.

Tritt das Implantat dauerhaft durch die Haut nach außen?

Ja. Ein kurzes Verbindungsstück ragt durch eine kleine Öffnung am Ende des Stumpfes nach außen und verbleibt dort lebenslang. Die Haut heilt fest darum herum an und wird täglich mit Wasser und Seife gereinigt. Diese Routine dauert nur wenige Minuten und ist der Hauptgrund, warum eine sorgfältige Auswahl der Patientinnen und Patienten so wichtig ist.

Werde ich laufen oder Sport treiben können?

Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen und viele alltägliche Aktivitäten sind in der Regel möglich. Laufen, Springen und Kontaktsportarten belasten den Knochen stoßartig und sind generell eingeschränkt, wobei dies vom Implantat, dem Knochen und der individuellen Situation abhängt. Ihr Behandlungsteam legt die Grenzen schriftlich fest.

Wie lange dauert es, bis ich die Prothese belasten und gehen kann?

Das Stehen mit Teilbelastung beginnt wenige Wochen nach dem Freilegen des Verbindungsstücks, und das Gewicht wird schrittweise gesteigert. Die meisten Patientinnen und Patienten gehen zwischen 3 und 6 Monaten nach der ersten Operation mit einer definitiven Prothese, und die Ausdauer verbessert sich über ein ganzes Jahr hinweg weiter.

Kann das Verfahren auch bei einer Armamputation durchgeführt werden?

Ja, eine Osseointegration an den oberen Extremitäten wird durchgeführt, am häufigsten im Bereich des Oberarmknochens, und häufig mit Nerventransferverfahren kombiniert, um die Steuerung einer myoelektrischen Hand zu verbessern. Die Erfahrungswerte sind geringer als am Bein, und die Beurteilung erfolgt stets individuell.

Was passiert bei einem Sturz?

Die Verbindung zwischen Prothese und Abutment enthält eine Sicherheitskupplung, die bei übermäßiger Krafteinwirkung nachgibt, sodass die Sturzenergie nicht auf den Knochen übertragen wird. Löst sich die Kupplung aus, wird die Prothese einfach wieder angebracht. Jeder Sturz sollte dem Behandlungsteam gemeldet werden, um das Implantat kontrollieren zu lassen.

Kann das Implantat wieder entfernt werden, falls Komplikationen auftreten?

Das ist möglich. Die Explantation erfordert eine erneute Operation und hinterlässt meist einen kürzeren Stumpf, woraufhin möglicherweise wieder eine Schaftprothese erforderlich wird. Dies ist einer der Gründe, warum die Voruntersuchung sehr gründlich erfolgt und die Entscheidung wohlüberlegt getroffen wird.

Wie funktioniert die Nachsorge nach der Rückkehr nach Hause?

Sie erhalten bei der Entlassung einen Implantatpass, ein schriftliches Belastungsprotokoll, Pflegeanweisungen für die Austrittsstelle und einen Zeitplan für Röntgenkontrollen. Die Physiotherapie und Prothesenversorgung vor Ort führen das Programm durch, Fotos der Austrittsstelle und Röntgenbilder werden an das Operationsteam übermittelt, und Kontrolltermine finden per Videosprechstunde mit einer festen Ansprechperson für alle Fragen zur Wundstelle statt.

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